Barclay James Harvest

Mel Pritchard Interview, 1990


Dieses Interview wurde von Keith Domone und Kevin Goodman für das offizielle BJH Fanclub-Magazin Nova Lepidoptera durchgeführt und erschien zuerst in Ausgabe Nr.10 von NL im Juli 1990.

Englisch

Deutsche Übersetzung von Dagmar Müller


Mel Pritchard, 1990

 

NL: Zuerst zu "Welcome To The Show" - bist Du mit der Reaktion auf die LP zufrieden?

MEL: Ja, sogar sehr. Mich freut besonders, daß unsere englische Plattenfirma die Sache positiv gesehen hat, was lange Zeit nicht der Fall war. In Deutschland scheint man die Platte auch zu mögen, in Frankreich ist die Reaktion darauf etwas zurückhaltend, aber da sind andere Länder wie Italien, in denen die LP Anklang findet. Mir gefällt das Album besonders gut. Ich meine, es kommt der ursprünglichen Idee ziemlich nahe, etwa einer Mischung von "Gone To Earth" und 1990 - die Melodien und Gefühle jener Songs damals, denen aber moderne Elemente hinzugefügt wurden.


NL: Viele Fanclubmitglieder sind der Meinung, daß es die beste LP seit "Gone To Earth" ist….

MEL: Das denke ich auch. Als die LP fertig war, hörte ich sie mir ständig an, und alles paßt recht gut zusammen, je vertrauter man damit wird; es passieren darauf eine Menge Dinge. Es gibt LP's - ich nenne jetzt keine Namen - aber ein Sound dominiert, die Snare Drums, die Gitarre oder ein neuer Synthesizer-Sound, und das ist bei jedem zweiten Titel so, dagegen meine ich, daß es bei dieser LP viele verschiedene Dinge gibt. Jeder Song hat ein Eigenleben und verfolgt eine Richtung, ohne daß der Inhalt des Songs dabei verlorengeht.


NL: Es war davon die Rede, daß Du auf der LP das seit Jahren beste Schlagzeug gespielt hast. Glaubst Du, daß Du im Laufe der Zeit besser geworden bist?

MEL: Um ehrlich zu sein, wurde vieles davon im Grunde mit Jon Astley festgelegt, geschrieben und mit Schlagzeugmaschine aufgenommen. Was meine Arbeit betrifft, habe ich die meisten Ideen beigesteuert. Man kann alles auf der Bühne reproduzieren, aber ich habe nicht sehr viel davon live eingespielt.


NL: Das Schlagzeugsolo in "African Nights" fand viel Zustimmung.

MEL: Ja, das war auch Steve Piggott - er hatte die Idee, das Ende davon zu gestalten, also machten wir etwas daraus. Es wird interessant sein, festzustellen, ob wir es live bringen können, falls wir es spielen: ich meine, ich kann es mir vorstellen, aber auf der Bühne wird es sich erst zeigen. Ich weiß im Grunde, daß ich es kann! Falls wir den Song live spielen sollten, wird es Spaß machen, da wir hoffentlich einen Perkussionisten dabei haben werden, und wir daher den Titel mit genau diesem Ende bringen könnten.


NL: John war der Ansicht, daß es Euch allen Spaß gemacht hat, die LP aufzunehmen, daß Ihr als Gruppe mehr Zusammenhalt habt.

MEL: Ja, das stimmt vollkommen. Ich glaube, es ist eben so, daß man gewisse Phasen durchmacht, wenn man schon so lange zusammen ist wie wir; es ist wie in einer Ehe oder irgendeiner Verbindung. Diesmal schienen alle dasselbe zu wollen, alle machten genau dasselbe, und wenn ich daran zurüuckdenke, glaube ich, daß unsere Plattenfirma viel dazu beigetragen hat. Es ist toll, wenn man all den Erfolg in Europa und all das hat, aber wenn sich die engelische Plattenfirma oder so etwas darum kümmert, klappt alles doch besser. Das alles, meine ich, drückt sich in der Geschlossenheit der Band und in der gemeinsamen Richtung, die wir alle gehen wollten, aus.


NL: Wie war es, mit Jon Astley und Andy Mac zusammenzuarbeiten?

MEL: Ich habe es sehr gerne gemacht. Jon Astley war bei den Vorarbeiten zu dieser Produktion dabei, und hat den Songs eine Form gegeben, was mir mehr Zeit ließ für die Arbeit an meinen Ideen fürs Schlagzeug und all so was. Sobald sie in einer Art Rohform ohne Gesang oder irgendwelche Effekte waren, brachten wir sie nach oben, weil wir unten mit Programmieren beschäftigt waren, und dann beteiligten wir uns alle daran. Jon Astley gab unseren Songs Richtungen, die sie ohne ihn vermutlich nie genommen hätten, aber das ist bei Produzenten immer der Fall. Unter Pip Williams gab es einige Songs, die Wege nahmen, die wir uns in unseren wildesten Träumen nicht hätten vorstellen können, aber die Plattenfirma brachte Jon Astley und uns zusammen, und wir beschlossen, daß wir die klassischen Barclay James Harvest auf den neuesten Stand bringen wollten, und ich glaube, es hat funktioniert.


NL: Anscheinend wurde das eine oder andere in letzter Minute geändert.

MEL: Nun, eine Sache war, daß John "Origin Earth" geschrieben hatte und Les gleichzeitig Shadows". "Origin Earth" war im Rohzustand schon fertig, die Programme und alles gemacht, und Les hatte einen anderen Song, den er aber nicht verwenden wollte - er wollte unbedingt "Shadows" haben. Jon Astley war wieder zu Hause in Twickenham, weil er an seiner Solo-LP arbeitete, also gingen Les, ich und noch jemand hin und nahmen die Begleitung von "Shadows" auf. Dafür verwendeten wir einen Zulu- Gesang; man hätte es noch mehr ausbauen können, aber falls man es dann auf der Bühne bringt, ist mehr Raum für afrikanische Schlaginstrumente. Der Song, der zuerst auf die LP sollte, war fertiggestellt und wurde in letzter Minute wegen dieser neuen Sache verworfen. Das passiert immer: es ist etwas, das innerhalb von Terminen geschehen muß, aber oftmals hat jemand ganz einfach einen besseren Einfall.


NL: Was passiert dann mit solchen Songs wie dem von Les, der beinahe fertig war?

MEL: Das bleibt allein Les überlassen: vielleicht verwenden wir ihn auf der nächsten Platte in veränderter Form oder er nimmt ihn wieder mit und schreibt darüber einen Song. Er hatte keinen Titel, es war nur ein rhythmisches Stück mit einer sehr traurigen Melodie. Les hatte sie mir vorgesummt, und Jon Astley hatte sie nach Les' Wunsch einprogrammiert, aber dann brachte er "Shadows" daher, dann kam John innerhalb der letzten drei Wochen mit "Origin Earth" an - sowas passiert eben immer.


NL: Stehst Du gerne auf der Bühne?

MEL: Ja. LPs sind zwar auch nicht schlecht, aber manchmal kommt man sich fast vor wie im Tonstudio! Tourneen können sehr anstrengend sein, aber wenn einen das Lampenfieber packt und man sieht, wie das Publikum mitgeht, ist das einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Aber man muß schließlich Platten machen, damit die Leute unsere Musik kennenlernen, und hoffentlich sagt das Publikum nach dem Konzert "Die Platte kaufe ich mir": ein Fan oder ein zukünftiger Fan.


NL: Wie bereitest Du Dich auf die Tournee vor?

MEL: Zuerst müssen wir die Liste unserer Songs durchforsten. Ich habe deshalb extra mit Les gesprochen, weil ich glaube, daß "Spirit On The Water" von … weiß jemand von welcher LP der Song stammt ….[NL - "Gone To Earth"] jetzt so viel Bedeutung hat - damals auch schon, aber er drückt einfach alles aus, was passiert. Ich würde ihn gerne live spielen und auch "After The Day" - das könnte mit den Keyboardern, die bei uns mitspielen, ein toller Titel werden, aber ich habe noch drei Stücke, die ich gerne machen würde. Gemeinsam mit John und Les, die auch drei Nummern haben, die sie machen wollen, müssen wir die Bühnenshow zusammenstellen. Wir müssen uns die neueste LP vornehmen und sehen, wieviele Stücke wir davon spielen können; ich weiß, daß das den Fans nicht recht ist, aber wir haben aus schmerzlichen Erfahrungen in der Vergangenheit gelernt, daß es sogar für die härtesten Fans ein wenig zuviel wird, wenn man die gesamte neueste LP spielt. Ich meine, daß 5 oder 6 Stücke optimal wären, aber zwischen den Songs, die die Leute kennen.


NL: In der nächsten Ausgabe wird eine weitere Leserumfrage veröffentlicht, unter anderem sollen 5 Songs genannt werden, die die Band live spielen soll …

MEL: Das ist tatsächlich eine Hilfe für uns, wenn man etwas hat, wonach man sich richten kann. Wir müssen die beste Show bieten, die möglich ist: Ich ahne schon, daß vielleicht "For No One" oder "After The Day" im Kommen sind. Ich werde mir mal unsere alte Titelfolge ansehen. "Hymn" spielen wir ja schon ewig …


NL: Jemand hat in der letzten Ausgabe gemeint, daß "Hymn" nicht mehr als letzte Zugabe kommen sollte, daß es zu vorhersehbar wird.

MEL: Ja, das stimmt, der Meinung bin ich auch. Man erzeugt eine Art Musterbeispiel, und wenn man das einmal getan hat, dann versuche mal, etwas anderes zu machen! Was die Leute nicht wissen, ist, welchen Kampf es John, Les und mich gekostet hat, den Song als Schlußzugabe bringen zu können! Die Leute haben gesagt, es sei schön, daß wir "Medicine Man" wieder spielen und ich gebe freiwillig zu, daß ich lange Zeit dagegen war!


NL: Spielst Du lieber in Großbritannien oder im Ausland?

MEL: Das macht mir nichts aus, solange die Garderoben sauber sind! Ich nehme an, daß ich keinen Unterschied festellen kann, weil ich hinten im Verborgenen sitze. Weil wir Barclay James Harvest und nicht der Hit des Monats sind, kommen viele Leute, weil sie uns sowieso sehen wollen, deshalb überkommt einen dieses tolle Gefühl oder wie immer man es nennen will. Es kann bei einer Show entsetzlich bedrückend sein, aber wenn es 10 Minuten vor Beginn ist, und man anfängt, sich seelisch darauf vorzubereiten, ist alles vergessen. Wir sind in Zelten und allem möglichen aufgetreten - wir sind im Grunde eigentlich ein Haufen alter Gesellen, aber es macht uns immer noch Spaß! Ich spiele überall, jederzeit….


NL: Hast Du abgesehen von BJH bei irgendwelchen Sessions mitgemacht?

MEL: Nein, das habe ich nicht. Das einzige, und ich glaube, das weiß jeder, war das Mandalaband-Projekt von Davy Rohl. Das ist wirklich alles. Was die Zusammenarbeit mit anderen Musikern betrifft, fehlt mir das Vertrauen. Ich würde es gerne machen - die Sessions mit Kevin, Bias und Colin bei den Soundchecks haben mir Spaß gemacht.


NL: Was für ein Schlagzeug benutzt Du jetzt?

MEL: Ein "Pearl Export". Ich bin im Begriff, vor unseren Proben ein anderes zusammenzustellen. Es ist das neuere Modell - es wird ein akustisches Schlagzeug sein. Es hängt davon ab, was wir auf der Bühne bringen, ich könnte ebenso ein elektrisches Schlagzeug verwenden. Colin wird wahrscheinlich ein elektrisches mit Dämpfern verwenden, aber ich werde bei dem üblichen akustischen bleiben.


NL: Ich weiß, daß sich Les und Du seit Eurer Schulzeit kennen; an welche früheste Erlebnis mit ihm kannst Du Dich erinnern?

MEL: Das wird ihm wirklich gefallen: es war im Sandkasten, noch im Kindergarten, es ist lange her. Er wohnte nur eine Straße weiter - unsere Eltern kannten einander.


NL: Trefft Ihr Euch heute noch oft?

MEL: Eigentlich nein, ich habe meine eigenen Freunde. Natürlich ist es wie früher, wenn man etwas zusammen macht, aber in den Anfangstagen hingen wir ständig zusammen, wir gingen gemeinsam auf einen Drink ins Pub und machten alles gemeinsam, aber wenn man etwas älter wird, geht man einfach getrennte Wege.


NL: Welchen Einfluß, glaubst Du, hat Woollys Weggang auf die Band gehabt?

MEL: Das läßt sich schwer sagen. Ich denke, daß es anfangs ein schwerer Schock war, und dann mußten wir ins Studio. Damals war unsere Sorge, wie wir die LP und die Keyboards bewältigen konnten. Les und John machten einiges, ich glaube, wir verpflicheten Ritchie Close, der auf der neusten LP ist. Ich glaube, wir waren alle etwas verstört, als wir ins Studio sollten, weil es so ist, als ob dein Bein eingeschlafen wäre oder so ähnlich. Offensichtlich hat er eine große Lücke hinterlassen, aber ich meine, wir sind dadurch zusammengerückt, wie das oft passiert. Woolly hatte immer Ideen zu Songs anderer Leute, er hat eine sehr rege Phantasie, also ist es nicht nur die Frage eines fehlenden Musikers. Er war ein Mann guter Ideen; das vermißten wir mehr als alles andere.


NL: Habt Ihr ihm die Schuld dafür gegeben, daß er Euch im Stich gelassen hat?

MEL: Nein, ich denke, ich weiß, was Woolly durchgemacht hat, und ich glaube, daß er dachte, daß seine Musik für die Band wichtig sei, und ich meine, daß sich die Band von dem, was er als sein Ideal betrachtete, entfernt hat. Ich war überhaupt nicht sauer, ich verstand vollkommen, was er wollte - anderseits, und das muß ich leider sagen Woolly, meine ich, daß vieles, so wie es sich entwickelte, zu bombastisch und zu verschnörkelt war. Ich sage damit nicht, daß ich froh war, daß er uns verlassen hat, aber damals eröffnete sich für uns ein direkterer Weg. Ich glaube kaum, daß San Francisco Besserung brachte, das gefiel ihm überhaupt nicht, weil der Produzent dort ein sehr amerikanischer Produzent war, und viele von Woollys Ideen waren ihm musikalisch einfach so fremd - stellt Euch mal vor, ein West Coast Produzent trifft Mahler No. 4!


NL: Trotzdem ist die neue LP ironischerweise wahrscheinlich dem, was Ihr mit Woolly gemacht habt, näher als jemals zuvor…

MEL: Ist das nicht eigenartig? Ich denke nicht, daß dieser vorherrschende Streichereffekt da ist, aber sicher gibt es diese Klangfarbe. Jon Astley ist Woolly von der Persönlichkeit her sehr ähnlich, sie sind aus demselben Holz geschnitzt. Zurück zu Jon Astley, wir saßen alle um diesen Riesencomputer herum, der alles macht, was man nur will, der wundervoll ist, es der Traum eines jeden Musikers, aber ich glaube, es hat die Band auch zusammengeschweißt, weil es Ideen wachrief. Woolly war auch ein wenig so; er saß gerne am Klavier. Ich denke wir hatten Glück, daß wir Kevin so schnell verpflichteten. Musikalisch gesehen ist er völlig verschieden von Woolly; er kümmert sich nicht so sehr um die eigentliche Produktion oder um die Arrangements, aber er liefert seine Ideen dazu.


NL: Habt Ihr nie daran gedacht, jemanden wie Kevin als ständiges neues Mitglied aufzunehmen?

MEL: Anfangs war es aus Respekt gegenüber Woolly, daß die Antwort, die wirklich von Herzen kam, lautete, "Nein, es wird niemand kommen, der Woollys Platz einnimmt." Es war purer Zufall, daß Kevin immer mit uns gearbeitet hat, nicht bei dieser LP, aber auf der Bühne.


NL: Vor etlichen Jahren habe ich gelesen, daß man Dir angeboten hat, bei Fairport Convention als Schlagzeuger einzusteigen.

MEL: Ja, als der Drummer [Martin Lamble] - er war auch ein sehr netter Kerl - bei einem Autounfall ums Leben kam. Sie baten mich, vorzuspielen.


NL: Warum bist Du dann bei BJH geblieben?

MEL: Ich glaube vor allem, daß ich mich sehr dadurch geschmeichelt gefühlt habe, daß sie mich fragten. Um ganz gerecht zu sein, glaube ich, daß ich ihren Anforderungen nicht entsprochen habe, um völlig ehrlich zu sein. Sicher hatten Fairport die besseren Auftritte, verdienten mehr Geld. Damals waren Fairport groß und sie waren auch eine verdammt gute Band, und es war einfach diese Sache, die BJH ausmacht, diese besondere Art der Treue. So etwas ist unbezahlbar.


NL: Und diese besondere Treue herrscht auch unter den Fans.

MEL: Das weiß ich. Ich nehme an, daß unsere Musik Ehrlichkeit ausstrahlt, nichts ist aufgesetzt, nichts übertrieben, es ist einfach etwas da, das man nicht beschreiben kann. Es ist diese Ehrlichkeit, die von innen kommt, die in der Musik drinsteckt.


NL: Bei "Negative Earth" und "Paper Wings" hast Du Dich als Songschreiber beteiligt. Was tatsächlich hast Du gemacht?

MEL: Ich habe den ganzen Text für "Paper Wings" geschrieben. Bei "Negative Earth" brachte Les etwas, das mir einfach nicht mehr aus dem Kopf ging, und ich schrieb alles außer "For fifty-five days". Es berührte mich irgendwo und ich mochte den Reim "here in syncopated time, while my tangled web of rhyme…" Ich dachte ganz einfach an die Einsamkeit dieses Menschen. Bei "Paper Wings" war ich auf dem Eiffelturm, und ich bin nicht schwindelfrei, also ging ich auf die erste Plattform. Die übrigen gingen nach oben und ich nach unten, und unten ist eine Gedenktafel angebracht, und auf der Erde ist eine Beule - es ist wie in "Suicide?", wurde er heruntergestoßen oder ist er gesprungen? Im Grunde war er "ein gebrochener Mann ohne einen Traum", denn falls er gesprungen ist und nicht fliegen konnte, war es ein zerstörter Traum, oder wenn ihn jemand heruntergestoßen hat, ist es immer noch ein Traumbild, das am Boden zerschmettert wurde. Ich möchte gerne mehr machen. Die Texte auf "Turn Of The Tide" sind nicht von mir, aber einige Grundideen wie "I'm like a train off the track" stammen von mir. "Back To The Wall" war auch ein wenig so. Ich schreibe gerne Texte, aber bei so guten Textern wie wir sie haben, ist das sehr schwer.


NL: Welche Musik hörst Du zur Zeit gerne?

MEL: Ich mag Don Henley immer noch, ich mag die Eagles immer noch. Ich muß zugeben, ich habe unter den Neuerscheinungen nichts wirklich neues entdeckt - das Meiste davon ist wieder aufgewärmt. Wen ich mir im Moment am meisten anhöre, ist ein Junge namens Gino Vanelli, ein Amerikaner. Er hat eine tolle Stimme, tolle Begleitmusiker, seine Texte sind auch recht gut. Immer noch höre ich Steely Dan und Donald Fagen's "The Nightfly". Ich sage Dir, wen ich von den Neuen mag - Hue & Cry, ich glaube, sie sind wirklich sehr gut, Level 42 sind gut. Ich glaube, Prince ist im Augenblick der Chef.


NL: Ist Barclay James Harvest für Dich heute nur ein Job, oder macht es immer noch Spaß?

MEL: Manchmal nervt es einen, aber 90% davon sind fabelhaft. Man steht auf der Bühne, spielt Musik, die man mag, man geht ins Studio, man lernt Leute kennen. Wir stammen alle aus der Arbeiterklasse, und es ist eine Fahrkarte ins Paradies, stimmt's? Aber ich sage Euch allen, so leicht ist das nicht, es gibt viel Kummer. Ich hatte von '67 bis ich etwa 27 war keine Teenagerzeit. Sehr schnell ging es darum, Schulden zurückzuzahlen, um auftreten zu können, um damit die Schulden für Verträge zu bezahlen. Ich werde langsam alt, und ich ertappe mich dabei, wenn ich sage "als ich jung war", aber es war anders. Wo ich das gesagt habe, es ist das, was man reinsteckt, um alles wieder zurück zu bekommen; ich nehme an, ich habe genausoviel zurück gegeben, wie die Musikindustrie in mich investiert hat. Was außerdem im Musikgeschäft zählt, ist, daß man ein Leben führen kann, das einem gegenüber ehrlich ist, und das meine ich im besten Sinne. In diesem Beruf hat man die Freiheit, zu sein, was immer man sein möchte.


NL: Also hat sich die ganze Schufterei in Eurer Anfangszeit gelohnt?

MEL: Ja. Mir tun die Bands heute leid, weil die Industrie so mechanisch funktioniert. Als wir anfingen, wurde viel herumexperimentiert, und das war auch erlaubt. Die erste LP wurde kein großer Erfolg, und wir bekamen von unserer Plattenfirma freie Bahn, ein komplettes Orchester einzusetzen, aber wer heute nach den ersten drei Platten keinen Hit gehabt hat, wäre vielleicht der beste zukünftige Musiker der Welt, aber das war's dann. Damals war alles leichter, wenn ich daran zurückdenke: sie haben mit Steinen nach einem geworfen, weil man lange Haare hatte, aber das war das Lustige daran!


NL: Was machst Du in der Zeit, wo Du nicht arbeitest?

MEL: Im Moment baue ich ein Haus zu meinem eigenen kleinen Probenraum um, aber meist mache ich nicht viel. Ich lese viel, sehe mir gerne Filme an, und ich habe angefangen, zweimal in der Woche abends an Quizspielen teilzunehmen. Ich spiele Fußball, rede über Musik und das Leben. Ich sehe mir gerne Fußballspiele an, ich spiele etwas Squash.


NL: Zum Schluß, möchtest Du den Mitgliedern des Fanclubs etwas sagen?

MEL: Ich glaube, alles was wir sagen wollen, sagen die LPs von Barclay James Harvest - die Hauptsache ist, daß Ihr Euch umeinander kümmert.



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